Vivaldi, Scarlatti und Mancini

NURIA RIAL, Sopran
MAURICE STEGER, Blockflöte
KAMMERORCHESTER BASEL
STEFANO BARNESCHI, Konzertmeister

 

Alessandro Scarlatti (1660-1725)

«Più non m’alletta e piace» für Sopran und Flauto dolce aus der Oper «Il giardino d’amore»

Antonio Vivaldi (1678-1741)

«Quell’usignolo che al caro nido» für Sopran

Leonardo Vinci (1690-1730)

«Rondinella che dal lido» für Sopran aus der Oper «Ifigenia in Tauride»

Francesco Mancini (1672-1737)

Sonata Decima Quarta per flauto solo, 2 violini, viola e basso g-moll

 

Aufgezeichnet am 29. Juli 2017 in der Kirche Saanen

Nuria Rial singt und singt wie der Twitter-Vogel! Die langjährigen Besucher des Gstaad Menuhin Festival kennen sie bestens. Und auch das grossartige Talent des Blockflötisten Maurice Steger, der mit seiner akrobatischen Virtuosität seinen Instrumenten die wundervollsten Töne zu entlocken vermag und auch dieses Jahr wieder die Leitung seiner ausgesprochen temperamentvollen Baroque Academy übernehmen wird, ist für sie kein Geheimnis mehr. In Kombination mit dem Kammerorchester Basel ergibt sich das Rezept für einen traumhaften musikalischen Abend.

Wir stellen hier ein paar Komponisten vor, deren Werk gespielt wird:

Wenn man einen Komponisten zu sehr mit einer einzigen Musikform gleichsetzt, vergisst man schliesslich, dass er auch in anderen Registern geglänzt hat. Das trifft auf Antonio Vivaldi zu, der neben seinen 500 Konzerten fünfzig Kantaten und Serenaden, hundert Sonaten, mehrere Oratorien und über vierzig Opern hinterlassen hat. Die Oper: Ein Genre, das unangemessen erscheinen mag für einen Priester, der sich um junge Waisenmädchen kümmert. Doch für ein Genie wie Vivaldi wäre es ganz einfach undenkbar gewesen, sich der aussergewöhnlichen Begeisterung zu entziehen, mit der man in Venedig anfangs des 18. Jahrhunderts die Oper feierte: Nahezu 500 Werke wurden in weniger als einem halben Jahrhundert aufgeführt. Er setzt sich relativ spät mit dem Genre auseinander – 1713, im Jahr seiner Ernennung zum Impresario, sprich »Verwalter« des Teatro Santo’Angelo –, doch er tut es mit dem Enthusiasmus des Neulings. Er selbst spricht von 94 Opern, die er geschrieben habe, doch es scheint wahrscheinlicher, dass es etwas mehr als vierzig waren, von denen weniger als zwanzig erhalten geblieben sind – doch von welcher Qualität, von welcher Energie sind diese Werke!

Leonardo Vinci – nicht zu verwechseln mit dem berühmten Künstler und Gelehrten der Renaissance – steht in der grossen Tradition der Komponisten neapolitanischer Opern. Als Nachfolger von Alessandro Scarlatti in der Königlichen Hofkapelle hebt er sich ab im Stil der Opera seria, bewahrt und erneuert er doch gleichermassen das Erbe der Meister, die ihm vorausgingen. Mit seiner brillanten und besonders «effizienten» Art des Komponierens bringt er die Virtuosität der grossen Kastraten der damaligen Zeit (allen voran Farinelli) zur Geltung und wird zahlreiche Komponisten, die nach ihm kommen, inspirieren, darunter seinen Schüler Pergolesi, Vivaldi und sogar Händel. Er stirbt 1730 im Alter von 40 Jahren, der Legende nach an einer Schokoladenvergiftung!

Francesco Mancini, der als Scarlattis Assistent die königliche Kapelle von Neapel leitet, ist 1724 der erste Neapolitaner, der eine Sammlung von Flötensonaten schreibt. Die Begegnung zwischen Scarlatti und Quantz von 1725 hat einen bemerkenswerten Aufschwung dieser Produktion zur Folge, wie die wichtigste kollektive Quelle neapolitanischer Musik für Blockflöte der damaligen Zeit zeigt, die in Manuskriptform in der Bibliothek des Konservatoriums San Pietro a Majella aufbewahrt wird. Darunter befinden sich unter anderem zwölf Sonaten von Mancini und sieben Stücke von Scarlatti, der nach seiner «Offenbarung» immerhin Zeit gefunden hat, mehrere Quantz gewidmete Sonaten zu komponieren.

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